Bücherzelle: keine Abladestelle für Altpapier

Erstellt am 18.03.2018

Der Einsatz hat sich gelohnt, die Bücherzelle der Johannesgemeinde an der Kirche wird sehr gut angenommen. Leider gibt es aber immer wieder Probleme mit ungeeigneten Druckwerken, mit Abfall und anderen unschönen Dingen. Darum hat das Bücherzellen-Team dazu eine Geschichte geschrieben - mit der großen Bitte: Geht gut mit der Bücherzelle um.

"Sophia kauft – wie alle Frauen – wahnsinnig gerne Klamotten ein. Immer wieder stöbert sie durch die Kleiderläden und entdeckt etwas Neues, Hübsches. Das trägt sie dann nach Hause. Neulich hat sie sich im Schlussverkauf einen herrlichen, flauschigen Pulli gekauft. Aber schöne flauschige Pullis haben nun leider die Eigenschaft, dass sie besonders viel Platz im Schrank brauchen.

Jetzt steht Sophia vor ihrem Kleiderschrank und bekommt einen Weinkrampf. Warum? Der Schrank ist einfach zu k lein. Eigentlich müsste sie den herrlichen, flauschigen Pullover wieder zum Geschäft zurückbringen, denn wo soll sie ihn nur lassen?

Da kommt Sophias Freund Karl hinzu, legt einen tröstenden Arm um ihre Schulter und gibt ihr einen guten Tipp. "Wenn du dir etwas Neues kaufst, Schatz, dann nimmst du immer ein Stück aus dem Schrank und gibst es in die Altkleidersammlu

ng. Eins zu eins.“ Er zieht einen schäbigen, alten Pullover heraus, der einen Fleck hat und den Sophia sowieso nie trägt. „Der kommt weg. Schon hast du Platz für den neuen Pulli."Und weil Sophia weise ist, (wie ihr Name schon sagt), macht sie das jetzt ab sofort immer so. Kauft sie ein neues T-Shirt, fliegt ein altes heraus. Der Schrank ist stets aufgeräumt und sie hat Freude an der Ordnung darin. Klappt doch!
Es könnte alles so schön sein …

Doch da kommt ihre Tante Tilda am Wochenende zu Besuch. Sie bringt eine riesige, knisternde Tüte mit. "Ihr jungen Leute braucht doch immer Kleider", sagt sie. "Hier. Für Dich!" "Hm", denkt Sophia, "nett von Tilda! Aber mein Schrank ist doch schon voll !"Als Tante Tilda wieder weg ist, kippt Sophia die Tüte auf dem Teppich aus.… und bekommt jetzt einen richtigen Heulkrampf.

Oh je!! Dort liegen – ungelogen – ganze Berge alter Nylonstrümpfe. Da ist Tante Tildas alter Wintermantel, der blaue, den Sophia nur einmal gelobt hat, weil sie Tilda eine Freude machen wollte. Er ist mittlerweile ganz schäbig geworden. Da sind alte ausgeleierte Unterhosen, ja, auch von Tante Tildas Mann, dem Erich. Gut, da ist auch ein süßer Petticoat dabei, den kann Sophia mal zum Karneval tragen … Sie sucht ihn heraus und legt ihn beiseite.

Aber im Wesentlichen ist das alles schreckliches Zeug. Fluchend stopft Sophia alles zurück in die Tüte und bringt es am nächsten Tag eigenhändig zum Altkleidercontainer. Doch schon steht eine Woche später Oma Mia vor der Tür. Sie hält einen großen Pappkarton in den Händen und sagt freudestrahlend: "Für dich, Sophia! Tilda hat erzählt, dass du Kleider brauchst. Und meine Nachbarin, Frau Meier, bringt dir morgen auch noch etwas. Toll, nicht?"

Sophia kollabiert vor ihr auf dem Boden. Zum Glück kommt Karl gerade noch rechtzeitig herbei, um sie zu reanimieren, sonst wäre es vermutlich um sie geschehen.

Und was hat das alles mit unserer Queller Bücherzelle zu tun?

Die Bücherzelle ist wie Sophias Schrank.
Sie ist ganz leicht zu warten. Eigentlich könnte man sie sich selbst überlassen, oder? Da stehen nette, verlockende Bücher drin. Wenn man eines mit nach Hause nimmt, wird Platz frei. Super! Da kann man zum Beispiel den spannenden Krimi reinschieben, der einen neulich so gefesselt hat.

Ach, gäbe es da nur nicht die vielen Tante Tildas u nd Oma Mias in Quelle!Sie stellen vor der Zelle die seltsamsten Dinge ab:

  • Ganze Lexika … dabei kann man heute doch alles googlen (wahrscheinlich brauchen die Leute deswegen nicht mehr die Lexika und wollen sie loswerden)
  • Zeitschriften … dafür gibt es die Papiertonne. Zeitschriften sind keine Bücher. Auch die sehr beliebte "Landlust" ist nun mal eine Zeitschrift, kein Buch. Da beißt die Maus keinen Faden ab.
  • Spielsachen … sie sind sperrig und – wie jeder sich denken kann – eben AUCH keine Bücher.
  • alte Bücher mit Kaffeeflecken … sie sind vergleichbar mit Onkel Erichs alter Unterhose, das Gleiche gilt für Bücher, die ganz in Staub gehüllt sind, stockig sind, oder eigenartig müffeln!

Und wenn Tilda jetzt – zum Beispiel – noch an Sophias Kleiderschrank ginge, ihn aufmachte und eine brennende Zigarette ablegte, die dann nachher Asche und einen unübersehbaren Brandfleck hinterließe …Also … die emsigen Helfer des Bücherzellenteams stehen leider oft selber kurz vor einem Weinkrampf, wie man sich denken kann.

Die Bücherzelle – da werden sicher viele, viele Queller Bürger von ganzem Herzen zustimmen – gehört mittlerweile zum Quelle Dorfkern einfach dazu und ist nicht mehr wegzudenken. Aber sie gehört uns allen. Sie ist ein Geschenk der Kirchengemeinde an Quelle.

Es wäre schön, wenn sie nicht als Bücher-entsorge-Stelle missbraucht würde. Ein neues Buch hineingestellt, ein anderes mitgenommen. Es dürfen auch mal zwei Bücher sein. Dann ist aber, wie man in Westfalen sagt, auch chut! Nur so kann das funktionieren. Besonders willkommen sind spannende Krimis und gut-erhaltene Kinderbücher.

Wenn man durch ein angetretenes Erbe oder eine Aufräumaktion viele alte Bücher beisammen hat, kann man sie direkt zur Brockensammlung bringen … der Umweg über die Bücherzelle macht gar keinen Sinn und bedeutet unnötige Arbeit für das Bücherzellenteam.

Wir danken fürs Mitdenken und für die zukünftige – bessere – Zusammenarbeit."

Das Bücherzellenteam