Was ich noch zu sagen hätte...

Erstellt am 23.04.2015

… dauert eine Zigarette - die ich oft vor der Tür unseres Hauses rauchte. Dabei sah ich mir vertraute Menschen vorbeigehen. Man kennt sich, man grüßt sich, freut sich, sich zu sehen. Und ich spürte, hier hatte ich lange Zeit ein Zuhause, in Quelle und ein Zuhause in der Kir­chengemeinde mit anderen zusammen für meinen Glau­ben.

Gelingt es, das, was nach 28 Jahren zu sagen ist, in einer Zigarettenlänge zu­sam­­­men­zufassen?

„Es wird Zeit für mich zu geh’n“ – Fast die Hälfte meines bisherigen Lebens ha­be ich hier gelebt und gearbeitet. Mit meiner Frau, lange mit unseren drei Kindern und mit unserer Katze. Obwohl eine derartige Beständigkeit in der Zeit hoher Flexi­bi­li­tät und vielen Unsi­cherheiten seltener geworden sein mag, erinnere ich mich: „Wir sind nur Gast auf Erden.“ Und so bin ich auch hier trotz der langen Zeit Gast gewesen. Beim Abschied wird es uns be­son­ders bewusst: Wir befinden uns nur auf der Durchreise, leben in und mit Begren­zungen.

Ich bin dankbar, in diesem schönen Ortsteil mit diesem schönen Namen lange ein Zuhause gefunden zu haben. Geborgen unter dem Dach des charmanten alten Pfarr­hau­ses, in dem etliche Kollegen schon wohnten und arbeiteten, unter dem Dach der Jo­hannes­kir­­che, unter dem Dach des alten und neuen Gemeindehauses. Noch habe ich die Zeit im Brocker Gemeindehaus nicht vergessen.

Ich bin dankbar, für all die Gemeinschaft, die stets selbstverständlich war. In Freud und Leid, in Übereinstimmung und mit Meinungsverschiedenheiten, auch mit Streit. So man­­­ches Mal hat mich die Gemeinschaft gestützt, getragen, ermutigt. Und die Gemein­schaft, die wir in so vielen Gottesdiensten am Tisch Jesu Chris­­ti gefeiert haben.

Ich bin dankbar für unendlich viele Gespräche. Auf der Straße, in den Geschäf­ten, in Sitzungen, vertrauliche Gespräche, wenn es ernst und wichtig im Leben ge­wor­den war. Für die offenen Türen in den Häusern von Quelle.

Ich bin dankbar für die Geduld, wenn es sich zu langsam entwickelte, oder einmal et­was schief lief. Hier möchte ich die Gelegenheit nutzen, um Verzeihung zu bit­ten, wo ich et­was Wichtiges versäumt habe oder jemandem nicht gerecht gewor­den bin.

Ich bin dankbar für die Freiheit, die mir in meinem Beruf zur Verfügung stand. Für alle Menschlichkeit, die in ihm eine so große Rolle spielt. Einer meiner Leitge­danken war immer, dass wir das werden, was wir sind: Menschen, die sich naturge­mäß menschlich verhalten sollten und können, mit allen Schwächen, Fehlern und per­sönlichen Vorzügen.

In diesem freien Beruf, der letztlich vom Glauben an das Wirken des Heiligen Geistes lebt, lässt einen die Frage nicht los: Was bringt es? Lohnt es? Die größte Freude in meinem Beruf war mir stets die Verkündigung des nahen und mensch­li­chen Gottes, der zu uns redet und mit sich reden lässt. Und den ich oft nicht begrei­fe und verstehe. Die Rat­losigkeit ge­genüber dem unergründlichen Ge­heim­nis die­­ses Gottes und die Freude angesichts des Ge­heim­­nisses, an ihn glauben zu dürfen.

Ich bin dankbar für die Anerkennung, die ich von vielen Menschen bekam. Mit vielen anderen durfte ich fast drei Jahrzehnte mitarbeiten an einem Zuhause hier in Quelle und Brock für unseren Glauben an den dreieinigen Gott. Ich durfte mitarbeiten in der Kirche Je­su Christi. Es entlastete mich immer wieder, zu wissen, dass letztlich er der Chef ist. Ich hof­fe, ihm nicht allzu oft im Wege gestanden zu haben.

Mit dem Wissen um unseren Chef bin ich zuversichtlich für den weiteren Weg der evan­gelischen Johannes-Kirchengemeinde Quelle-Brock.
Und so sage ich: Gott befohlen!

Ihr Pastor Carsten Ledwa    

Übrigens: In meinen Gedanken ließ ich mich anregen durch das Lied von Reinhard Mey „Gute Nacht, Freunde“. In dankbarer Erinnerung an eine lange Freund­schaft mit meinem da­ma­ligen Vikariatsleiter, der leider vor einem Jahr verstarb. Er liebte die Lieder von Mey und sang sie gerne. Er vermittelte mir die Freu­de an und ein gutes Gespür für den Beruf des Pfarrers.