Im Regen zur Klosterruine: Kreuzweg in Quelle

Erstellt am 27.03.2016

Es waren wieder etwa 25 Teilnehmer, die am Karfreitag von der Queller Johanneskirche zur Jostberg-Klosterruine pilgerten, um den Kreuzweg des Heimat- und Geschichtsvereins und der Johannes-Kirchengemeinde mitzugehen.

Über das Wetter am Tage der Kreuzigung Jesu ist uns nicht viel überliefert. Der Wetterbericht hatte für Karfreitag Regen vorhergesagt. So mussten viele Regenschirme auf der gut 2 Kilometer langen Strecke aufgespannt bleiben und das Schuhwerk entsprechend wasserdicht sein.

Der Kreuzweg war wieder gut vorbereitet, der Weg durch den Biohof Bobbert frei und die B68 durch die Polizei kurzzeitig abgesperrt, um dort eine sichere Überquerung zu garantieren.

Zuvor schwiegen die Glocken der Johanneskirche, und im Gottesdienst erlischte die Osterkerze. Die Orgel verstummte, die Gesänge wurden a-cappella gesungen. So wie das Abendmahl an die Gemeinschaft Jesu mit den Jüngern, und dadurch an die Gemeinschaft Gottes mit uns erinnert, ist es wichtig, Gemeinsames und Verbindendes im Kreuzweg zu suchen.

Inzwischen ist es auch in Quelle guter Brauch geworden, zum Gedächtnis an den Leidensweg Jesu Christi vor fast zweitausend Jahren den Kreuzweg zu gehen. An sieben Stationen hielt die Gruppe, um von Pastor Mathias Dreier kurze Meditationstexte zu hören und Lieder zu singen. Ein großes Holzkreuz wurde von den Männern wechselnd vorweg getragen.

Am Jostberg traf die Gruppe dann die Gläubigen der Kath. Heilig-Geist Gemeinde aus Dornberg, die schon einen weiteren Weg zurückgelegt hatte, um mit den Quellern gemeinsam zu singen und zu beten. So konnte ein Stück Ökumene praktiziert werden.

Der Brauch des Kreuzweg-Gehens entstand im 14. Jahrhundert im Heiligen Land. In der heutigen Zeit, in der immer weniger Menschen etwas mit dem Osterfest anfangen können, und sich Ostern auf Schokoladeneier, Osterhasen und vielleicht Mallorca-Urlaub reduziert, wird die Bedeutung des Karfreitags immer wichtiger. Er ist in Zusammenhang mit Ostern für die Christen der höchste Feiertag. In Erwartung seiner Auferstehung wird Jesu Christis Kreuzestod gedacht.

Für viele Gläubigen ist es wichtig, diesen „Tag der Stille“ durch eine zunehmende Liberalisierung entgegen zu wirken. Die jährliche Diskussion über das Tanzverbot am Karfreitag oder dem Wortspiel „Carfreitag“ tragen dazu bei, die christliche Religion nicht mehr ernst zu nehmen oder die kollektive Trauer nicht zu ertragen.

Darum ist es wünschenswert, wenn der HGV-Quelle e.V. und die Johannes-Kirchengemeinde auch im nächsten Jahr, zum siebenten, wieder zum gemeinsamen Kreuzweg einladen. Und wenn es so ist, wie man sagt, dass Petrus für das Wetter zuständig ist, dann sollte man ihn bitten, damit es am 14. April 2017 trocken bleibt.

Jürgen H. Handwerk