Ghana muss warten: Wie Corona Pläne durchkreuzt

Erstellt am 03.01.2021

Freiwilligendienst in Ghana verschoben: Abiturientin Franca Postel aus Quelle stellt das Projekt „weltwärts“ vor und berichtet, wie die Corona-Pandemie ihre Pläne auf Eis legte.

Liebe Leserin, lieber Leser, mein Name ist Franca Postel, ich bin 18 Jahre alt und wohne in Quelle. Für mein Jahr nach dem Abitur hatte ich geplant, einen Freiwilligendienst in einer Vor- und Grundschule in Ghana zu absolvieren. Ich möchte im Folgenden das Projekt "weltwärts" vorstellen und meine Erfahrungen mit Ihnen teilen.

Trotzdem…

Gemeinsam für die Eine Erde – ein Ziel, welches leider noch lange nicht erreicht ist und gerade momentan als Utopie angesehen werden könnte, für das es sich aber zu kämpfen lohnt! Den Bedürftigen unterstützen, wenn er Hilfe braucht und selber Hilfe empfangen, wenn du sie benötigst. Kein Leben als kalte, auf den eigenen Vorteil bedachte Nation, sondern ein gemeinsamer, vereinter Verbund von Menschen. Ohne unterschiedliche Religionen und Herkunftsländer, äußerliche Merkmale als Ausgrenzungskriterium zu nutzen, sondern diese stattdessen als Zeichen für eine bunte, vielfältige und offene Welt zu sehen und wertzuschätzen. Den Menschen einfach Mensch sein lassen!

Gemeinsam für die Eine Erde – das ist das Motto der Organisation „weltwärts“!

„weltwärts“ ist ein entwicklungspolitischer Freiwilligendienst, der 2008 vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) ins Leben gerufen wurde. Somit ist es ein staatlich anerkanntes und gefördertes Programm.

Der Freiwilligendienst umfasst Deutschland, Asien, Afrika, Lateinamerika, Ozeanien und Osteuropa und ermöglicht seit 2013 jungen Erwachsenen in „beide Richtungen“ die Ausreise. Vor Ort arbeiten die Freiwilligen in verschiedenen sozialen und ökologischen Projekten, z.B. auf einer Farm, in Essensausgaben oder Schulen. Ich selber wäre in der Vor- und Grundschule „Early Childhood Development Centre“ in Agona Swedru, Ghana eingesetzt gewesen und hätte die Lehrer/-innen im Unterricht und bei der Förderung der Kinder unterstützt. Während des Freiwilligendienstes hätte ich in einer ghanaischen Gastfamilie gelebt.

Mit Hilfe der Projekte sollen nicht nur internationale Partnerschaften gestärkt werden, sondern auch das Lernen durch gegenseitigen Austausch und die Begegnung auf Augenhöhe erfolgen. Außerdem fordert „weltwärts“ die persönliche Auseinandersetzung der Teilnehmer mit Themen wie Rassismus, Kolonialismus, Frieden und Sicherheit, Chancengleichheit oder Nachhaltigkeit.

Klingt gut! Doch wie kann „weltwärts“ unter Coronabedingungen funktionieren? Die Ausreise, die eigentlich für September 2020 geplant war, kann aufgrund der momentanen Pandemie leider nicht erfolgen. Statt des Freiwilligendienstes in einem anderen Land sind die Freiwilligen nun bis zum 31. März 2021 in ehrenamtlichen Ersatztätigkeiten in Deutschland eingesetzt. Ich bin an einem Berufskolleg in Bielefeld tätig und unterstütze dort Schülerinnen und Schüler bei sprachlichen Schwierigkeiten, von denen viele ihre Heimat aufgrund von Krieg und lebensbedrohlichen Bedingungen verlassen mussten.

Obwohl es schon länger absehbar war, dass meine Ausreise nach Ghana doch nicht stattfinden könnte, habe ich bis zur endgültigen Entscheidung gewartet und gehofft. Mein Ansprechpartner dabei und gerade in der aktuellen, schwierigen Situation ist meine Entsendeorganisation „ijgd“ (internationale Jugendgemeinschaftsdienste). Als dann am 1. Dezember die ijgd uns informierten, dass nun wirklich der Fall der Fälle eingetreten war, war ich schon erstmal ziemlich traurig – das Jahr würde nun völlig anders als geplant laufen und das Gefühl, irgendetwas würde nun fehlen, machte das Ganze auch nicht besser.

Aber naja – es war auch klar: die Situation ist, wie sie ist und daran lässt sich nun mal leider nichts ändern. Trotz der ersten und immer noch andauernden Enttäuschung bin ich der festen Überzeugung, dass ich ganz viel aus diesem Jahr mitnehmen kann – gerade durch die interessanten und zum Nachdenken anstoßenden Seminare, in denen wir uns sehr intensiv mit Themen wie Rassismus, Nachhaltigkeit und Frieden auseinandergesetzt haben. Aber auch durch meine Ersatztätigkeit im Berufskolleg, die mir mit Höhen und Tiefen insgesamt sehr viel Spaß macht, kann ich viele Erfahrungen für die Zukunft mitnehmen. Und mal schauen: vielleicht bin ich im nächsten Jahr dann wirklich in Ghana oder ein paar Jahre später bei einem ähnlichen Projekt.

Da „weltwärts“ sich zu 75% über staatliche Gelder finanziert, welche jedoch nur bei stattfindender Ausreise der Freiwilligen genehmigt werden, ist durch Corona somit auch für den Freiwilligendienst eine schwere Zeit angebrochen. Die restlichen 25% werden durch Spenden getragen, die unter anderem durch die Freiwilligen gesammelt werden, indem sie sich einen Förderkreis aufbauen. Bei diesem geht es nicht darum die eigene Ausreise zu ermöglichen, sondern das ganze Projekt, die Gastfamilie, die Einsatzstelle im Einreiseland und ebenfalls zukünftige Freiwillige zu unterstützen.

Somit gehen Spenden gerade in dieser Zeit, wo keine Ausreise erfolgen kann, nicht verloren, sondern unterstützen weiterhin den Austausch und die Zusammenarbeit von Menschen unterschiedlichster Kulturen und Länder.  Falls Sie sich dazu entscheiden das Projekt „weltwärts“ und meine Entsendeorganisation ijgd zu unterstützen, würde ich mich sehr freuen!

Gemeinsam für die Eine Erde.

Franca Postel

Die Kontoverbindung lautet:
Kontoinhaber: ijgd
Bank für Sozialwissenschaft Berlin
BIC: BFSWDE33BER
IBAN: DE47100205002592011001
Verwendungszweck: Spende Freiwilligendienst 2020-21


Ein paar Infos zu meiner Person:
Mein Name ist Franca Postel,
ich bin 18 Jahre alt, wohne in Quelle
und habe dieses Jahr mein Abitur gemacht.